Moses – ein Strategieprozess, der schon damals nicht funktionierte.

Da präsentiert mir jemand einen 10 Punkte-Plan. – Was hat er sich ausgedacht? – Ich soll das  durchlesen, schlucken und ausführen. Kein Wunder, dass das schiefgeht. Und doch passiert es tag täglich in vielen Unternehmen und Organisationen. 

Das beschriebene Problem ist alt, ja geradezu biblisch. Im alten Testament kehrt Moses nach 40 Tagen „Klausur“ mit den 10 Geboten, einer neuen monotheistischen Gesellschaftsstrategie zurück zum Volk Israel. Doch das war damit schlicht überfordert. Moses hatte das Volk nicht in den Prozess der Strategiebildung einbezogen. Das Volk verstand den grundlegenden Gedanken dieses neuen Konzeptes nicht.

Seine zukunftsweisenden Ideen verhallten quasi ungehört. Anstelle einer Auseinandersetzung mit dem Inhalt der 10 Gebote betete das Volk die Steintafeln an, als wenn darin ein Gott wohne. Gott als ein Denkmuster, etwas abstrakt Metaphysisches zu sehen, war für das Volk Israel nicht so einfach möglich. Das Volk blieb bei einer konkret gegenständlichen Darstellung – gestern goldenes Kalb – heute Steintafeln. Für sie blieb Gott ein Gott der Dinge…  In der Frustration über diesen gescheiterten Prozess zerschlug Moses die Tafeln. 

Wer Veränderung will, muss darauf achten, dass sie von den Beteiligten mitgetragen wird.

Ein Stakeholdermanagement, also ein Einbeziehen aller beteiligten Parteien hätte vermutlich mehr Erfolg gehabt. Zumindest wären die Ältesten nicht verprügelt und die Jungfrauen nicht geopfert worden.

Fresco of Moses by Joseph Schonman 1857

Bild: Renata Sedmakova